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öticket - Maximilian Schell und Elena Nesterenko

Maximilian Schell und Elena Nesterenko

09.01.2011

Ludwig van Beethoven war im Herbst 1802 zu einem Kuraufenthalt in Heiligenstadt und hoffte durch die mineralhaltige Quelle der dortigen Badeanstalt auf eine Heilung seiner fortschreitenden Otosklerose. Er lebte in der ehemaligen Herrengasse 6 (heute Probusgasse 6), wo er an Klavierwerken arbeitete. Dort schrieb der erst 31-Jährige auch einen nie abgeschickten Brief an seine Brüder, in dem er in drastischen Formulierungen die Sorge und den Pessimismus um sein immer schlechter werdendes Gehör und sogar Suizidgedanken beschreibt.

Ludwig van Beethoven gilt als der Verkörperung des mächtigen Schöpfergeists schlechthin, erkämpfte er doch für sich und für die nachfolgende Welt in geradezu „Zeus“ – ischer Manier den neuen, den befreiten musikalischen Ausdruck. Er wurde hineingeboren in die Zeit der großen Revolutionen - 1789 der Französischen Revolution, die wiederum vom Ideengut des amerikanischen Freiheitskampfes und der 1776 verabschiedeten Unabhängigkeitserklärung beeinflusst war – also in die bedeutendste Periode, in der Herrschaftsstrukturen aufgebrochen und zerbrochen und der Grundstein für neue Gesetzgebungen gelegt wurden. Damit wird bereits im kindlichen Geist die Saat für ein revolutionäres und zugleich demokratisches Gedankengut gelegt, das in Beethovens Werken ein tragendes Element bildet.

Was ihn von seinen noch ganz den festgefügten gesellschaftlichen Strukturen ihrer Zeit verpflichteten Vorgängern Bach, Mozart, Gluck, Haydn unterscheidet, ist seine bedingungslose Hingebung an eine universelle menschliche Idee, sein Glaube an eine neue Brüderlichkeit. Dieser Idee suchte er in einer musikalischen Sprache Ausdruck zu verleihen: „Nie von meiner ersten Kindheit an, ließ sich mein Eifer, der armen leidenden Menschheit mit meiner Kunst zu dienen, mit etwas anderem abfinden, oder es brauchte nichts anderes, als das innere Wohlgefühl, das dergleichen begleitet“

Beseelt von dieser Vision schuf er seine dritte Symphonie – ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmet, jedoch wegen dessen Kaiserkrönung schlicht in „Eroica“ unbenannt – vertonte er Schillers Ode an die Freude, setzte er der unbesiegbaren Liebe in Fidelio ein Denkmal. Sind nicht heute, im 21. Jahrhundert - fast 200 Jahre nach Beethovens Tod – seine „weltumfassenden“ künstlerischen Ambitionen aktueller denn je? Suchen wir nicht nach wie vor in unserer globalisierten Welt nach der universellen Sprache, die uns Menschen als Brüder vereint? Und wird nicht wieder einmal evident, dass uns just die Kunst – immer und immer wieder - in die seelische Lage versetzen kann, eine solche Verbrüderung für möglich zu halten?

Klavier: Elena Nesterenko

 

Termin: 09.01.2010

Beginn: 20:00 Uhr

Ort: congress|graz

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